STIMME von und für Minderheiten N° 28 / III 1998

Durchbrochene Identitäten

Zwei Seelen wohnen, ach ...
Lesbisch/schwul und sonstnochwas: Mehrfachidentitäten

von Dieter Schmutzer

Kennen Sie den von der behinderten schwarzen jüdischen Lesbe? Nein, machen Sie sich nichts draus. Der hat eh keine Pointe. Die Frage ist schon die Pointe. Sie meinen: An den Haaren herbeigezogen? Na gut, ich hätte auch fragen können: Kennen Sie den vom alten, nicht begüterten, türkischen Schwulen? Oder so.

 

"Die Frau war Mann und Frau"
Zur Stellung der Frau bei Sinti und Roma. Gespräch über ein tabuisiertes Thema

von Beate Eder-Jordan

Wird die Frau in traditionell lebenden Roma-Gruppen diskriminiert? Viele Nicht-Roma, die Einblick in die Familien- und Gruppenstruktur von Roma haben, würden wohl nicht zögern, hier zuzustimmen. Wie eng hängt aber nun die stark reglementierte Position der Frau mit dem Überleben der Ethnie zusammen? Diese Frage läßt sich allerdings - wie der Roma-Experte Prof. Mozes F. Heinschink betont - nur aufwerfen, zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht beantworten.

 

Patchwork-Identitäten
von Susanne Dermutz

Das Mädchen ist die beste Turnerin in ihrer Umgebung; ihre körperlichen Fähigkeiten, am schnellsten auf den Baum zu klettern und auf den nächsten zu springen, allen anderen davonzulaufen und dem Abschuß mit dem Ball immer wieder zu entkommen, sind unüberbietbar, auch von den Buben. Für die durchwegs etwas älteren Mädchen ist sie zur Bedrohung geworden, die die Dominanz der Älteren in Frage stellt. Zum "Glück" für diese hat die Turnerin zwei Defizite: eine sehr dunkle Haut und pechschwarze Haare und - die SchulkollegInnen wissen es - eine Rechenschwäche.

 

des weiteren sind in dieser Ausgabe erschienen:
 
-Jeder gegen jeden, alle gegen ...
von Hikmet Kayahan
 
-Freiheit, Gleichheit - und das "brüderliche" Wir
von Marija Juric-Pahor
 
-Das burgenländisch-kroatische Mosaiksteinchen
von Julia Schweiger