STIMME von und für Minderheiten N° 44 / III 2002

Repräsentation(en)

Stimme Nr. 44

Stimme
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Minderheitenangehörige im "Windkanal" der Politik
von Hakan Gürses

Wahlzeit ist! Alle KommentatorInnen (aber nicht nur sie) analysieren, mutmaßen und prophezeihen. Ich kann die meisten von ihnen nicht mehr hören oder lesen – geschweige denn selbst darüber schreiben. Das journalistische Ratespiel nimmt manchmal verlogene Züge an: Zuerst ellenlang über Chancen und Fischereigebiete der Parteien zu dozieren, so, als kenne man jede/n PolitikerIn und WählerIn persönlich, und dann, wenn die erste Hochrechnung in farbigen Balken auf dem Bildschirm hochschießt, vom "Erdrutschsieg" oder "dramatischen Wahlergebnis" zu reden. Und das in Schlagzeilenformat! Dabei wird nicht nur das eigene Scheitern in Sachen Prognostizieren kaschiert. Vor allem wird auf harmlos getan, als hätten die Medien nicht den Löwenanteil an Meinungsbildung in Wahlzeiten.

 

Widerstand, Selbstorganisation und Repräsentation
Ljubomir Bratić

Wenn die Funktionsweise einer Maschine in Frage gestellt wird, dann ist die Situation nicht weit, daß verlangt wird, auch die Maschine selbst zu überprüfen und möglicherweise zu ersetzen. Insofern könnte es sein, daß die Forderungen nach Repräsentation für MigrantInnen innerhalb der Strukturen des Nationalstaates die Repräsentation als politische Machtkategorie, also die Idee selbst, in Frage stellen.

 

Die Institutionalisierung einer "DienstbotInnengesellschaft"
von Aslı E. Odman

Erwin Riess, Schriftsteller, Aktivist der Behindertenbewegung und STIMME-Autor, hat uns einen Leserbrief geschickt (siehe Kästchen), der sich auf den Artikel " ,Die unsichtbare Hand‘ und die unsichtbare Frau. Informalisierung und die Migrantinnen auf dem Arbeitsmarkt" von Aslı E. Odman (STIMME 43 / II 2002) bezieht. Da seine Kritik eine Kernfrage der medialen Linie der STIMME berührt, haben wir die Autorin des Artikels gebeten, zum Leserbrief Stellung zu nehmen. Daraus ist ein Aufsatz geworden, der auch gut in den Rahmen des vorliegenden Heft-Schwerpunkts paßt. Wir veröffentlichen den Leserbrief von Riess und den Text von Odman nebeneinander und hoffen auf die Fortsetzung dieser fruchtbaren Diskussion (Anm. d. Red.).

 

Politische Konstruktion der MigrantInnen-Identität zwischen Theoriekorsett und Komplexitätsverkürzung
von Gruppe Or-Om©

Wir beginnen mit der Feststellung, daß vereinfachende, reduzierende und ausklammernde Ansätze der Minderheitentheorien eigentlich selbst eine Art Sozio-Pop darstellen, der in seinen Verkürzungen einem wissenschaftlich-griffigen – wohl auch politisch-ideologisch motivierten – Populismus Vorschub leistet.

 

Die Partizipation der ethnischen Minderheiten in der Republik Slowenien
von Boris Jesih

Gern wird die politische und soziale Situation einer Volksgruppe mit der Situation der Minderheiten im "Mutterland" jener Volksgruppe verglichen. Wie sieht es etwa mit der politischen Repräsentation der Volksgruppen bei den "südlichen Nachbarn" aus? Ein Expertenbericht dazu aus der Republik Slowenien.

 

Österreichische Opfer der NS-Militärjustiz
von Michaela Mayrhofer

Ein sechsköpfiges Team erarbeitet im Rahmen eines Forschungsprojekts die wissenschaftlichen Grundlagen für die Rehabilitierung einer bislang nahezu vergessenen Gruppe: der Opfer der NS-Militärjustiz.