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Das erste Top-Down-Forschungsprogramm Österreichs im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften mit dem Titel "Fremdenfeindlichkeit: Erforschung, Erklärung, Gegenstrategien" wurde vom Wissenschaftsministerium unter Erhard Busek als Projekt lanciert und im Jahr 2002 zum Abschluß gebracht. Die Vorarbeiten zum Projekt erfolgten schließlich durch die Abteilung Gesellschaftswissenschaften des damaligen Wissenschaftsministeriums heute Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur gemeinsam mit österreichischen und internationalen WissenschafterInnen. Nach einer öffentlichen Ausschreibung im Jahr 1995 sind von 120 Einreichungen in einem zweistufigen Verfahren letztlich 30 Projekte insgesamt waren etwa 70 WissenschafterInnen beteiligt ausgewählt worden und erhielten in Folge die Summe von 2,2 Millionen Euro. Neben einer ganzen Reihe von Einzelstudien und Artikeln in Fachzeitschriften ebenso wie Workshops, Vorträgen und Tagungen als Produkte des Programms ist eine siebenbändige Publikationsreihe im Drava Verlag erschienen und richtet sich an ein wissenschaftliches Zielpublikum ebenso wie an Personen, die sich in ihrer beruflichen Praxis mit Rassismus, Xenophobie, Migration und Integration beschäftigen.
Breites Publikum erreichen
"Ziele des Programms waren", so Elisabeth Menasse-Wiesbauer, Abteilung Gesellschaftswissenschaften des Wissenschaftsministeriums, auf der Bilanz-Pressekonferenz im Dezember 2002, "auf der einen Seite der Ausbau und Aufbau der wissenschaftlichen Expertise in diesem Bereich sowie die Ankoppelung an den internationalen Forschungsstand, und auf der anderen Seite gab es auch ein wichtiges politisches Ziel, nämlich die Entwicklung von Strategien gegen Fremdenfeindlichkeit und die Vermittlung der Ergebnisse an eine interessierte Öffentlichkeit. Also nicht nur im akademischen Bereich, sondern auch an Personen, die in diesem Bereich arbeiten, wie z. B. Sozialarbeiter und Stadtplaner."
Im siebten und letzten Band der Publikationsreihe "Forschungsprogramm Fremdenfeindlichkeit", Zuwanderung und Segregation Europäische Metropolen im Vergleich, ist das Resultat einer Fachtagung zum Thema "Segregation Gefahr oder Chance?". Auf dieser Tagung hatten SozialwissenschafterInnen, AusländerInnenbeauftragte, GebietsbetreuerInnen und StadtplanerInnen die Frage diskutiert, welchen Einfluß der räumliche Kontext auf Integrationsprozesse ausübt. Konkret geht es dabei um die Metropolen Amsterdam, Birmingham, Hamburg, Berlin und Wien. Einwanderung ist wichtig, meint Mitautor und Migrationsforscher Heinz Fassmann: wichtig, um die Einwohnerzahlen stabil zu halten. MigrantInnen seien des weiteren zu einem integralen Bestandteil der untersuchten Städte geworden. Zuwanderung sei dabei "kein Einzelfall oder Ausrutscher der Geschichte", jedoch wegen wachsender Wirtschaft und deren Bedürfnisse auf der einen Seite und rückläufiger Geburten auf der anderen eine Notwendigkeit.
Thema Segregation
Im Buch wird ferner das Thema der Segregation oder Konzentration einzelner Bevölkerungsgruppen in bestimmten Stadtteilen angesprochen. Dabei ist Fassmann überzeugt, daß dies kein Malheur darstelle, denn "Zuwanderung erfolgt eben immer in die ethnische Gruppe hinein. Und eine bestimmte ethnische Gruppe wohnt vornehmlich oder häufig in einem bestimmten Ort. Diese ethnische Gruppe dient der sozialen Sicherheit, der Arbeit, der Wohnmöglichkeit". Segregation sei normal und notwendig, betont wird aber, daß eine zeitliche Verfestigung aller oder bestimmter ZuwanderInnen an einem bestimmten Ort zum Problem werden kann. Nämlich, wenn MigrantInnen nicht die Chance haben, in andere Wohnviertel zu kommen. "Denn dann fragt sich die Nachbarschaft, wie kommen wir dazu, alle Integrationsleistungen bringen zu müssen, und alle Zuwanderer fragen sich, wie kommen wir dazu, nicht hinauszukommen." Als Schlußfolgerung und Lösungsansätze werden die Öffnung der Wohnungsmärkte für MigrantInnen, die Unterstützung der Möglichkeiten des "Hinausgehens" und interkulturelle Wohnprojekte vorgeschlagen. Gleichzeitig dürfe aber nicht die "Politik der perfekten Anpassung" betrieben werden, denn anstatt die kulturelle Differenz auslöschen zu wollen, sollte umgekehrt "die Vielfalt als Wert für urbane Metropolen" entdeckt werden.
Forschungspolitische Relevanz
Das Forschungsprogramm "Fremdenfeindlichkeit" muß aus forschungspolitischer Relevanz betrachtet werden, da es sich, und dies sei nochmals betont, um das erste Ausschreibung-Forschungsprogramm (Top-Down) im sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereich gehandelt hat. In Österreich gibt es nach wie vor fast ausschließlich Bottom-Up-Forschung, d. h. von WissenschafterInnen entwickelte Anträge, welche bei Forschungsförderungseinrichtungen eingereicht und die von verschiedenen Töpfen gespeist werden. Der internationale Trend geht jedoch in Richtung der Programmforschung "policy driven program". Dabei soll die Forschung zur Lösungsfindung herangezogen werden. Wissenschaft soll nicht für sich, die Seinigen und Ihrigen forschen, sondern an politischen Lösungskonzepten, bedarfsorientiert arbeiten. Darin liegt die politische Relevanz des Programms "Fremdenfeindlichkeit: Erforschung, Erklärung, Gegenstrategien", und dies erfolgte tatsächlich im Rahmen des Forschungsprogramms. Ob die Vorschläge der ForscherInnen ganz oder in abgeänderter Form aufgegriffen werden, bleibt jedoch in der Verantwortung der Politik.
Michaela Mayrhofer ist "Radio Stimme"-Mitarbeiterin.
Diese Nachlese basiert auf der "Radio Stimme"-Sendung vom 11. Februar 2003 (gesendet auf Orange 94.0).
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