STIMME von und für Minderheiten N° 47 / II 2003
Familie
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Zur kakanischen Umsetzung von Richtlinien "Einen Brief befördern, heißt in Österreich einen Brief aufgeben." Dieser Aphorismus von Karl Kraus wird derzeit zum juristischen Neuleben erweckt. Eine Sache umsetzen, heißt in Österreich bekanntlich sich eine Sache anschauen. Genau das ist in der Sache Antidiskriminierung passiert: Die österreichische Regierung hat sich die diesbezügliche EU-Richtlinie, die spätestens bis 19. Juli 2003 umzusetzen wäre, "angeschaut" und am 15. Juli 2003, vier Tage vor dem Ablauf der Frist, einen Gesetzesentwurf zur Begutachtung vorgelegt obwohl sie dafür drei Jahre Zeit hatte. Im gut kakanischen Stil wurde damit die "Sache" in das mediale Sommerloch hinein verschlampt.
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Wohin mit soviel Unsicherheit? In die Familie! Die Familie ist nicht nur in minoritären Kontexten der wichtigste Bezugspunkt, sondern auch in hegemonialen Kontexten (etwa im "global business"). Was macht die Macht der Familie als Denk-, Gefühls- und Organisationsform aus, sodaß "authentische Ursprungsgemeinschaften" die Regel, also unseren Augen, Ohren und Herzen vertraut/"familiär" sind und bleiben?
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Die Krise der Familie und die homosexuelle Community Die (eigenen) Lebensformen werden heute mehr denn je hinterfragt beziehungsweise bewußt gestaltet. Auch in den "entwickelten" und "reichen" Zivilisationen sind wir im gesellschaftlichen sowie sozialen Kontext auf neue Formen des Zusammenlebens angewiesen. Gemeinschaften und kollektives Zusammenhalten werden um so wichtiger, je mehr sich andere Formen der "gewachsenen" Sozialisation verändern. Dies stellt die Blutsverwandtschaft und ihre Bindungen in Frage, ebenso wie die Seelen-Verwandtschaft "wahre Gemeinschaften" hervorruft. Homosexuell l(i)ebende wurden oft genug aus ihren (genetischen) Familien ausgestoßen, sodaß sie "historisch erfahren" sind, was die Suche nach "neuen" Familien angeht.
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"Lesben- und Schwulenehe": Wahlfreiheit statt Bevormundung Die Ehe sei eine patriarchale Einrichtung zur Unterdrückung der Frau und völlig unzeitgemäß. Bloß: Würde man es auch wagen, etwa Angehörige ethnischer oder "rassischer" Minderheiten mit solchen Argumenten davon abzuhalten, ein allfälliges sie betreffendes Eheverbot zu bekämpfen?
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Runs in the Family? Que(e)r durchs Gemüsebeet In Wien wird jede zweite Ehe geschieden, und manche Lesben und Schwulen wollen heiraten. Wo bleibt da die radikale Infragestellung der Heteronormen? Was bleibt vom Experimentierfeld, auf dem unterschiedlichste Weisen des Zusammenlebens, des Begehrens, die parodistischen Inszenierungen von Gender erprobt werden, wenn wir dann einfach nach Hause gehen, die Stöckelschuhe und die aufgeklebten Bärte in den Schrank werfen und sagen: "Das war's"?
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Familie als Schlüssel zur Integration. Migrantenfamilien in Österreich Der innere Zusammenhalt einer Familie trägt wesentlich dazu bei, schwierige äußere Rahmenbedingungen zu bewältigen. Je stärker die Solidarität in der Familie, desto eher gelingt es, Krisen zu überwinden. Dies erklärt die besondere Bedeutung von Familienangehörigen und Freunden im Kontext der Migration.
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Tourismus, Rassismus und Sexismus Moderner Tourismus ist durchzogen von Rassismen und Sexismen.
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