STIMME von und für Minderheiten N° 56 / Herbst 2005

50 Jahre Staatsvertrag – ohne den Artikel 7?

Stimme Nr. 56

Stimme
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Von Wahlen, Meinungen und Imitationen
stimmlage von Hakan Gürses

 

Der Staatsvertrag – ein demokratiepolitischer Auftrag
von Vladimir Wakounig

Seit seiner Unterzeichnung 1955 ist der Staatsvertrag kaum jeweils so oft medial erwähnt worden wie im laufenden Jubiläumsjahr 2005. Nicht nur in den Medien. Es gab auch andere Anlässe wie Tagungen, Diskussionen und Jubiläumsveranstaltungen, die sich dem Ereignis von 1955 widmeten und versuchten, die Stimmung von damals wiederzugeben.

 

Artikel 7 – Die verkannte "Magna Charta" der Minderheiten
von Franjo Schruiff

Die Minderheitenschutzbestimmungen des Artikel 7 sind (auch) nach völkerrechtlichen Kriterien auszulegen, also nach "Ziel und Zweck" der Bestimmungen. Den Vertragsparteien des Staatsvertrages ging es darum, für die kroatisch- und slowenischsprachigen Minderheiten Garantien festzulegen, die es ihnen ermöglichen sollten, durch entsprechende politische, strukturelle, finanzielle und mediale Beteiligung am öffentlichen Leben ihre sprachliche, ethnische und kulturelle Eigenart zu wahren.

 

In še vedno pojejo. Und sie singen noch immer
von Cornelia Kogoj

Es gibt so manches, was die Kärntner SlowenInnen auch über das Singen hinaus als Minderheit miteinander verbindet: zum Beispiel eine gemeinsame Geschichte, die von jener der österreichischen Mehrheitsgesellschaft abweicht. Weiters: Eine gemeinsame Sprache, deren Literatur gegen kulturelle Machtausübung angeschrieben hat. Und nicht zuletzt staatsvertraglich verbriefte Rechte, die noch immer nicht eingelöst wurden.

 

klanggesetz 2000. Reflexionen zur musikalisch-kreativen Bearbeitung des Minderheitenartikels
von Ursula Hemetek

Wie wir wissen, sind im Artikel 7 des Österreichischen Staatsvertrages von 1955 die Rechte der Slowenen in Kärnten und der Steiermark sowie der Kroaten im Burgenland festgeschrieben. Die politische Realität zeigt, dass noch immer über zweisprachige Ortstafeln gestritten und die Bedeutung dieses Gesetzestextes im Rahmen der vielen Jubiläumsfeierlichkeiten totgeschwiegen wird.

 

Österreichs erste Minderheitensprache
von Verena Krausneker

Die Österreichische Gebärdensprache hat nun einen Sonderstatus: Sie ist nach der Staatssprache Deutsch die erste Sprache, die einfach "nur" als Sprache anerkannt wurde – ohne dies auf die Gruppe der VerwenderInnen (Volksgruppe) oder ein bestimmtes Staatsgebiet zu beschränken.

 

Fünfzig Jahre Staatsvertrag oder Drei Dörfer in Kärnten
von Erwin Riess

An einem verregneten Augusttag standen Groll und der Dozent vor dem Seebad Maria Loretto und staunten. Das schönste Freibad am Wörther See, eine pittoreske Anlage aus dem frühen 20. Jahrhundert mit Holzpritschen und altgedienten Umkleidekabinen, präsentierte sich in neuem Kleid. Anstelle des Buffets, in dem früher mürrische Angestellte Dienst taten, die sich bei einigem Arbeitsanfall zu reiner Bösartigkeit aufschwingen konnten, stand ein herabgekommener Wohnwagen neben dem Eingang. Ein blonder Jüngling stand hinter dem Verkaufspult und sah verträumt in den Regen hinaus.

 

Rechts? Ausgezeichnet! Der Leopold Stocker Verlag und das steirische Landeswappen
von Petra Neuhold

Dem 1992 mit dem steirischen Landeswappen ausgezeichneten Grazer Leopold Stocker Verlag werden von mehreren Seiten Berührungspunkte mit dem Rechtsextremismus vorgeworfen. Seit einiger Zeit wird diese Auszeichnung von verschiedenster Seite kritisiert, an führender Stelle von den steirischen Grünen, die seit nunmehr zwei Jahren erfolglos um eine Aberkennung des Landeswappens ringen.