STIMME von und für Minderheiten # 57
Werte und Wirtschaft
von Eva Atzmüller
Im September dieses Jahres fand im Volkskundemuseum (Wien) eine Diskussion zum Thema "Ethischer Luxus? Wenn Sparen fehl am Platze ist" statt. Eines der umstrittenen Themen war, ob bzw. wie Wirtschaft reguliert werden soll. Eine Zusammenfassung.
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Wie können bzw. sollen bei der Produktion in den so genannten Billiglohnländern soziale Ansprüche und Umweltschutz integriert werden? Diese Frage beantworten VertreterInnen aus der Wirtschaft anders als so mancheR VertreterIn aus der Zivilgesellschaft, wie aus der oben genannten Podiumsdiskussion zu diesem Thema, die Radio Stimme mitschnitt, klar wurde. Uneinigkeit besteht in der wichtigen Frage, ob Freiwilligkeit oder verbindliche Regeln bei der Durchsetzung von sozialen und ökologischen Rechten und Pflichten bei der Produktion zur Anwendung kommen sollen. Freiwillige soziale Verantwortung ... Christian Frießl von der Industriellenvereinigung meint: "Wirtschaftlicher Erfolg, wirtschaftliche Leistung und Effizienz, also diese ökonomischen Kriterien genügen heute allein nicht mehr, auch nicht für den geschäftlichen Erfolg, da lasse ich die Reputation des Unternehmens noch unerwähnt. Zu den neuen Herausforderungen gehören Transparenz, Glaubhaftigkeit, Sozial- und Umweltthemen. Das Konzept der CSR, also dieses verantwortungsvollen Unternehmertums, will gerade diese ökologischen uns sozialen Belange in die ökonomischen hinein verweben." ... und die Kritik daran Einen Weg des Kompromisses zwischen CSR und der Forderung nach verbindlichen Regelungen geht die Clean Clothes-Kampagne. Dabei geht es um die Durchsetzung fairer Arbeitsbedingungen in der internationalen Sportartikel- und Bekleidungsindustrie. Stefan Kerl von der Südwind Agentur: "Die Clean Clothes-Kampagne hat sich von Anbeginn dieser CSR verschrieben, wir haben die Einforderung von sozialer Verantwortung und verbindlichen Regelungen allerdings nicht vergessen. Wir haben auch in Österreich beim Kontaktpunkt der OECD Beschwerden eingebracht gegen multinationale Unternehmen, die gegen diese OECD-Leitsätze, die auch nicht verbindlich sind, verstoßen. Ich denke, diese verbindlichen Regelungen sind schon die Forderung allein mir fehlt der Glaube. Solang es diese verbindlichen Regelungen nicht gibt, ist es wichtig, dass wir die CSR einfordern." Internationale Bemühungen Eine Unterkommission der Vereinten Nationen für den Schutz der Menschenrechte hat auf Basis von 30 UN-Abkommen 18 Normen zum Wohlverhalten von Unternehmen entwickelt und forderte ein, dass diese verbindlich sein müssen. Unternehmen, die diese Standards nicht einhalten würden, sollten von Behörden der UNO sanktioniert werden. Diese Standards wurden bisher nicht verbindlich umgesetzt. Es bleibt der politisch-moralische Diskurs rund um die Frage, ob global handelnde Konzerne durch Freiwilligkeit oder durch verbindliche Regelungen zur Wahrnehmung allgemeiner Interessen, wie der Menschenrechte, bewegt werden sollen. Diese Nachlese basiert auf der "Radio Stimme"-Sendung vom 29. September 2005. Die Sendungen von "Radio Stimme" stehen unter http://www.initiative.minderheiten.at/Radio zum Download oder als Stream zur Verfügung.
Eva Atzmüller ist Redakteurin bei "Radio Stimme". |