STIMME von und für Minderheiten N° 58 / Frühjahr 2006

"Parallelgesellschaft"

Stimme Nr. 58

Stimme
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Der Kulturkampf um die Werte
stimmlage von Hakan Gürses

 

Die Parallelgesellschaft und ihre Feinde
von Radostin Kaloianov

In einer offenen Gesellschaft verkehren die unzähligen Parallelgesellschaften, die jene ausmachen, ständig miteinander. Sie kooperieren, kommunizieren oder konkurrieren miteinander. Mit anderen Worten verlaufen ihre Wege nicht parallel, sondern durchkreuzen einander stets und bilden so das Gewebe des sozialen Lebens. Wenn aber die Berührung der Parallelgesellschaften in einer offenen Gesellschaft ausbleibt, wird das Gewebe des sozialen Lebens langsam dem Absterben preisgegeben.

 

Wider die Parallelgesellschaft. Für eine differenzierte Begrifflichkeit im Integrationsdiskurs
von Karl Michael Reiser

"Die Bedeutung eines Wortes liegt darin, wie es in der Sprache gebraucht, angewandt wird", schrieb der Sprachphilosoph Ludwig Wittgenstein einst. Er meinte damit, "dass die Bedeutung eines Wortes nicht der Gegenstand ist, den es benennt oder bezeichnet, sondern die Rolle, die es in der Sprache spielt". Aus semantischer Perspektive und angewandt auf den Begriff "Parallelgesellschaft" verdeutlicht uns dies, dass jener Terminus nicht zwei Gesellschaften bezeichnet, die einander parallel und damit gleichwertig gegenüberstehen, sondern dass sich sein Sinn, wenn schon, daraus erschließen lässt, wie wir ihn verwenden. Wie aber tun wir das?

 

Identitätspolitik made in "Abendland"
von Alev Korun

"Ich Leitkultur, du Parallelgesellschaft!". Diese neue Devise im modernen Kommunikations-Dschungel ist der letzte Schrei im "Abendland". Und zwar genaugenommen seit 2001.

 

Biedermann und die Brandstifter von heute
von Brigitta Huhnke

Seit die Töchter von EinwanderInnen in qualifiziertere Berufe streben, sogar als Ärztinnen, Anwältinnen oder auch Lehrerinnen tätig sein wollen, und manche eben auch mit Kopftuch, gerät die "fremde" Frau stärker ins Feld der öffentlichen Belehrungen und auch staatlichen Diskriminierungen.

 

Das Stahlwerk, die Kunst und die Emanzipation der Parallelwelt
von Erwin Riess

"Das von Ihnen erwähnte Ziel, angstfrei anders sein zu können, hat wohl einen emanzipativen, nicht so sehr aber einen integrativen Aspekt. Das Ablösen der Menschen von überkommenen Rollenbildern und zwanghaften Klischees bedeutet immer auch einen Akt der Selbstbefreiung, und zwar auch von der eigenen Gruppe. Wer als Staatsbürger emanzipiert ist, braucht nicht mehr als Gruppenangehöriger integriert zu werden."

 

Passen Minarette nach Tirol?
von Michael Örtl

Diese Frage stellte unlängst eine Tageszeitung. Ich fühlte mich von der Frage angesprochen und versuche hier eine Antwort zu geben.

 

Vom Nebeneinander und Miteinander
von Udo W. Häberlin und Hannes Alkin

"Eine Stadt besteht aus unterschiedlichen Arten von Menschen; ähnliche Menschen bringen keine Stadt zuwege." Aristoteles

 

Zwischen Drahtzäunen keine Chance
von Elke Salomon

Das französische Schulsystem steckt in einer tiefen Krise. Das Gleichheitsprinzip ist in diesem einst renommierten System zum Deckmantel für strukturelle Benachteiligungen verkommen. Sichtbar ist dies nicht erst seit vergangenem Herbst, als in Frankreich Granaten flogen und Autos brannten.

 

Interkulturelle Kompetenz gegen Ethnofalle
von Bernhard Perchinig

Die aktuelle Bevölkerungsprognose der Statistik Österreich zeigt für Kärnten nichts Gutes: Schon jetzt zählt Kärnten zu den am stärksten überalterten Bundesländern.